Warum wir (noch) keinen Recruiter 4.0 benötigen


Sie haben es vielleicht gemerkt, es wird nicht nur pausenlos über Industrie 4.0 geredet und geschrieben, jetzt rufen auch die ersten nach einem Recruiter 4.0.
Ich bin der Meinung, daß dies noch viel zu früh ist.

Meine Gründe:

1. Recruiting ist eine 3000 Jahre alte Kunst 
Nur weil die Industrialisierung in den letzten 200 Jahren vier Phasen durchlaufen hat, hat sich das im Recruiting anders entwickelt und es gibt keinen Grund, einer nicht synchronen Entwicklung hinterher zu hecheln oder sich quasi anzubiedern, bzw. blind auf den thematischen Zug aufzuspringen.




2. Industrie 4.0 betrachtet nur die Evolution der Industrie in den letzten zwei Jahrhunderten.
Falls jemand in diesen Betrachtungen gleichlaufende Bewegungen sieht, bitte gerne darauf hinweisen. Industrie 4.0 ist auch eher nur ein in Deutschland verwendeter Begriff, ansonsten spricht die Welt von IoT, Internet of Things. Aber bisher kam noch keiner auf die Idee, analog einen RoT zu fordern ,-)


3. Recruiting hat es m.E. in 3000 Jahren gerade mal geschafft, zwei Phasen zu unterscheiden: 2970 Jahre analoges Recruiting und seit ca. 30 Jahren das digitale Recruiting. D.h. wir sind erst beim Recruiter 2.0.
Um messen zu können, wo man selber zwischen den Recruiter 1.0 (Typ Administrator) und dem Recruiter 2.0 (Typ Berater und Verkäufer) hatte ich vor einiger Zeit bereits ein Kompetenzmodell mit 18 Kompetenzbereichen entwickelt, den Recruiter 2.0 Check, an dem auch schon über 1000 Recruiter teilgenommen haben. 

Wer sich selber testen möchte, macht den kostenfreien Recruiter 2.0 Check 
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Auch dabei habe ich keinen Recruiter gesehen, der das Maß dermaßen gesprengt hätte, daß wir einen Check für einen Recruiter 3.0, geschweige denn einen Recruiter 4.0 benötigen.

3. Für meine Betrachtung von Recruiting 3.0 können wir schon einmal kurz einen Blick in die Zukunft des Recruiting werfen:
Fast alle Menschen haben Profile in sozialen (Business) Netzwerken und fast alle Jobs sind online verfügbar. Die Kunst besteht im Matching der Profile mit den offenen Stellen oder umgekehrt. Dies wird mittels Algorithmen gelöst. 
Die Herausforderung im Recruiting besteht dann nicht mehr im Finden von Kandidaten sondern in der Qualifizierung und Überzeugung der Kandidaten. 
Recruiting 1.0 war dann also Anzeigen (online oder in Print) schalten und hoffen auf Bewerber. Recruiting 2.0 dann rückblickend Social Media Recruiting und Active Sourcing.
Dann brauchen wir dafür tatsächlich einen Recruiter 3.0. Aber eben immer noch lange keinen Recruiter 4.0.

Aufforderung
Also meine Aufforderung an alle Diskutanten um der Thema Recruiterprofil:
Mal den Rücken gerade machen, nicht den thematischen Trends hinterherhecheln und erstmal zusehen, daß möglichst viele Recruiter es vom Recruiter 1.0 zum Recruiter 2.0 schaffen, denn da ist noch viel zu tun.

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