Was kostet Social Media Recruiting?


Unternehmen wollen in 2011 für Social Media (für Business Netzwerke, wie z.B. Xing oder LinkedIn 48,8 % der Unternehmen und für Soziale Netzwerke, z.B. Facebook, 38,8 % der Unternehmen) und Stellenanzeigen bei Online-Jobbörsen mehr Geld ausgeben. Dies ist u.a ein Ergebnis des Social Media Recruiting Reports 2011, durchgeführt im Frühjahr 2011 unter mehr als 8000 Personalern in Deutschland durch das Institute for Competitive Recruiting (ICR). Er zeigt einen generellen Trend im Recruiting 2011 zu einer stärkeren Nutzung von Social Media für Recruiting und Personalmarketing. 


Mit der steigenden Bedeutung des Themas in den Personalabteilungen geht leider auch das Bekenntnis zu einem Mangel an Kenntnissen im Bereich Social Media Recruiting bei der Mehrzahl der Unternehmen einher. (Falls auch Sie noch nicht so genau wissen wie, aber zukünftig auch aktiver rekrutieren möchten, sind Sie herzlich eingeladen zu den Intensiv-Workshops Proaktives Recruiting:"Suchst Du noch, oder findest Du schon? - Mit aktivem Recruiting in Social Media gegen den Fachkräftemangel!" Neue Termine in der DACH-Region und Teilnahmeinfos finden Sie hier)

Neben den mangelnden Kenntnisse ist anscheinend auch das Thema Budget ein Problem für die Unternehmen, die Social Media Recruiting betreiben wollen, wie eine aktuelle Studie von Eva Zils vom Social Media Recruiting Blog zeigt (kostenfrei hier downloadbar).

Als ein Ergebnis dieser Studie kam heraus, daß aktuell  kaum Budget (externe Kosten) für Social Media Recruiting freigestellt wird. 50% der teilnehmenden Unternehmen müssen ohne jegliches Budget auskommen, 25% haben bis zu 5.000 € zur Verfügung.


Quelle: Eva Zils, Studie zu Kosten Social Media Recruiting, 2011

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Beispielkalkulation für Kosten einer Social Media Präsenz

Für diese Beispielkalkulation werden mal zwei Varianten zugrundegelegt. Die günstige Variante, bei der vieles mit Bordmitteln und internen Resourcen erledigt wird und die professionelle Variante, bei der auch externe Unterstützung hinzu gezogen wird. Alle Kosten sind geschätzt und gerundet und sollen nur eine Indikation für eine mögliche Kostenkalkulation geben. Intelligenter ist auch folgender Angang: Statt von Kosten zu sprechen, ist es u.U. sinnvoller  Investionen zu benennen, mit denen ein Ziel erreicht werden soll. Beispiel: Ein Unternehmen möchte 10 Personen mit Hilfe von Recruiting in Social Media einstellen. Die Multiplikation mit den durchschnittlichen Kosten pro Einstellung ergibt ein mögliches Budget=Investion für den Recruiting Kanal Social Media. Wenn man dann noch nachweisen kann, daß es mit Hilfe von Social Media auch günstiger geht, ist ein Return on Investment (ROI) realisiert.



Interview zu Kosten von Social Media Recruiting und weiteren Ergebnissen der Studie

Der offensichtliche Mangel an Budget ist ein Grund mehr, mal mit der Verantwortlichen der Studie, Eva Zils, ein Interview zu den Ergebnissen Ihrer Studie zu führen.

ICR: Hallo Frau Zils, seit einiger Zeit engagieren sich Unternehmen in Sozialen Medien, um Bewerber auf sich aufmerksam zu machen und welche zu finden. Noch ist es nicht die große Menge, aber viele wollen nachziehen und fragen sich, was denn so ein Engagement kosten würde. Sie haben u.a. diese Frage in Ihrer aktuellen Umfrage einmal gestellt. Was ist die sonst noch die Idee hinter Ihrer Umfrage und wer wurde befragt?

Eva Zils: Seit Aufkommen des Trends, Werbung und Kandidaten- oder Kundenansprache über Social Media zu betreiben, wird auch Social Media Recruiting immer häufiger diskutiert. Eine Art Sog ist entstanden, und es gab immer wieder Trendsetter, die behaupteten, wenn man jetzt nicht auf den Social Media Zug aufspringen würde, wäre dieser spätestens in 2-3 Jahren abgefahren. Der Hype bewirkte, dass sich einige Firmen mit Eifer und ohne viel Nachzudenken ans Werk machten. Oder aber, dass sie mit Fragen wie „Ich möchte Social Media Recruiting machen. Wie geht das denn?“ an Dienstleister herantraten. In vielen Fällen hatten die Unternehmen das Thema noch nicht einmal in Ansätzen selbst reflektiert.
Setzen sich die zuständigen Personaler zunächst einmal mit einigen grundlegenden Fragestellungen auseinander, hat sich das Thema Social Media Recruiting in vielen Fällen schnell erledigt. Meistens hängt es an fehlender Manpower.

Die Idee hinter der Umfrage war neben der Kostenermittlung für Social Media zu sehen, inwieweit sich Unternehmen tatsächlich mit den grundlegenden Fragen vor Kampagnenstart auseinandersetzen.

ICR: Was sind - bezogen auf Kosten und Social Media - die wesentlichen Erkenntnisse Ihrer Umfrage?

Eva Zils: Die wesentliche Erkenntnis ist, dass Social Media Recruiting keine Kosten verursachen darf. Die Hälfte aller Teilnehmer hat für Web 2.0 Maßnahmen gar kein Budget zur Verfügung. 25 Prozent müssen mit 5.000,00 € im Jahr auskommen. Damit kann nicht einmal die Erstellung einer professionellen Facebook Fanseite oder eine gut durchdachte Facebook Ad Kampagne finanziert werden. Was die Teilnehmer der Studie in ihren Angaben nicht berücksichtigt zu haben scheinen, ist ihr eigener Arbeitsaufwand und die damit verbundenen Kosten für das Unternehmen. Die sollten zumindest in Anteilen dem Budget hinzugerechnet werden. Wird dafür speziell eine Person eingestellt, sind dies ebenfalls Kosten, die im Budget auftauchen müssen. Hier sollte dann auch gelten, dass ein ROI ermittelt wird. Schließlich möchte man ja beweisen, dass das Budget gewinnbringend angelegt wurde und dass die Maßnahmen wirklich neue Mitarbeiter gebracht haben.

ICR: Wieviel Zeit wollen Unternehmen lt. Ihrer Studie für Social Media Recruiting aufwänden?

Eva Zils: Laut den Ergebnissen können sich beinahe 70 Prozent vorstellen, mindestens 3 Stunden pro Woche (die meisten davon sogar mehr als eine Stunde am Tag) in Social Media Recruiting Aktivitäten zu investieren. Vorstellen heißt jedoch nicht, dass sie das bereits wirklich tun. Es zeigt jedoch auf, dass den Recruitern bewusst ist, dass es notwendig ist, viel Zeit in diese Maßnahmen zu stecken, um Erfolge zu erzielen.


ICR: Was wollen Unternehmen lt. Ihrer Studie mit dem Engagement in Social Media Recruiting erreichen? Können Sie ihre Ziele erreichen?

Eva Zils:Die Mehrheit der Unternehmen möchte durch Social Media vor allem die Arbeitgebermarke stärken beziehungsweise auf- und ausbauen. Danach kommt die Qualität der Bewerbungen, da sich die Firmen eine zielgruppenspezifischere Ansprache dank Social Media erhoffen. Viele Unternehmen nutzen diese Kanäle ebenfalls zur Direktansprache von Bewerbern, die sie mittels der Netzwerke kontaktieren und das Profil im Vorfeld „abklopfen“ können. Erst zum Schluss, und das sind lediglich 10 Prozent, kommen eventuelle Kosten- und „Time-To-Hire-Senkungen“ ins Gespräch.
Was das Employer Branding angeht, ist es derzeit noch verfrüht, über konkrete Erfolge zu sprechen. In den Kommentaren bestätigten die Teilnehmer jedoch, dass die Qualität der Bewerbungen zugenommen hätte.

Auf der Gegenseite werden aber auch sehr starke Bedenken über die Kosten-/Nutzenrechnung ausgedrückt und die Seriosität der Medien wird angezweifelt.

ICR: Wie sieht es aktuell mit der Kompetenz und den Ressourcen der Unternehmen im Social Media Recruiting aus?

Eva Zils:Interessanterweise fühlen sich eine ganze Reihe der Teilnehmer sehr gut informiert, was die Trends und Möglichkeiten von Social Media im Recruiting betreffen. Nichtsdestotrotz ist und bleibt der Informationsdrang hoch, da sich knapp 70 Prozent der Teilnehmer für Weiterbildungen, bzw. Workshops zum Thema interessieren. Darüber hinaus sehen mehr als die Hälfte (59%) aktuellen Handlungsbedarf in ihrem Unternehmen, was Social Media Recruiting angeht.

ICR: Gibt es irgendwelche Punkte, die Sie überrascht haben?

Eva Zils:Ja, dass das Interesse an Social Media einerseits sehr hoch ist, aber andererseits im Vergleich dazu relativ wenig tatsächlich passiert. Es scheint, als würde die HR-Welt über Social Media Recruiting diskutieren, aber letztendlich kaum zum Handeln kommen. Ich denke, das zeigt auf, dass noch zu viele Dinge ungeklärt sind, was z.B. Datenschutz- und Privatsphäre auf Netzwerken wie Facebook, LinkedIn angeht. Zu viele Parameter sind nicht eindeutig bestimmt und lassen sich in den nächsten Monaten auch nicht einfach klären. Selbst Facebooks Bemühungen, Datencenter in Europa (Schweden) aufzubauen, helfen nicht, das Thema Datenschutz und –sicherheit aus der Welt zu räumen: In Schweden besteht nämlich ein Gesetz, das es dem schwedischen Geheimdienst erlaubt, jeglichen Datenverkehr, der die Grenzen überschreitet, „abzuhören“.

ICR: Man kann sicherlich sagen, dass Social Media im Recruiting in Deutschland als Thema angekommen ist. Die Absicht, mehr Geld in Social Media Recruiting zu investieren, läßt sich auch in meiner Studie „ICR Social Media Recruiting Report“ deutlich erkennen. Aber inwieweit glauben Sie, daß auf Basis der Erkenntnisse Ihrer aktuellen Umfrage, die Unternehmen mit ihren Aktivitäten auch Erfolg haben werden?

Eva Zils: Ehrlich gesagt werde ich zunehmend kritischer, was den Erfolg von Social Media Recruiting Aktivitäten betrifft. Die Ergebnisse meiner Studie untermauern dies. Wenn ich mir ansehe, dass sich Firmen einerseits im Social Web engagieren und professionell aufstellen möchten, aber auf der Gegenseite weder Kosten (Budget) noch Mittel (z.B. Monitoring) einsetzen wollen oder dürfen, dann sehe ich zukünftig keine Erfolge. Der große Wissensdurst nach echtem Wissen und Know-How ist da, wird jedoch in einer Vielzahl von Workshops, in denen meistens Best Practice Beispiele oder Grundlagen angeboten werden, kaum gestillt.
Die Sache ist nach wie vor, dass es kein Patentrezept gibt, weil die Social Media Nutzer – außer sie befinden sich in Businessnetzwerken wie XING, LinkedIn oder Viadeo – in den Networks unter sich bleiben möchten. Ein potentieller Arbeitgeber wird kritisch beäugt. Selbstverständlich gibt es interessante Zahlen aus den USA – wo mehr als 50 Prozent der Jobsucher Social Media einsetzen und 15 Prozent dadurch einen neuen Job gefunden haben. Der deutsche Nutzer ist jedoch verschieden, und auch deutsche Unternehmen sind anders als amerikanische.
Manchmal denke ich, es wäre besser, wenn sich die Social Media Recruiting Aktivitäten ausschließlich auf die beruflichen Netzwerke beschränken können würden. Jedoch finden sich dort leider nicht alle Zielgruppen.

ICR: Was würden Sie Unternehmen raten, die sich in Zukunft in Sozialen Medien engagieren wollen?

Eva Zils: Machen Sie sich im Vorfeld ausgiebig Gedanken zu Kosten und Nutzen der Aktivitäten. 

Frau Zils, vielen Dank für das Gespräch!


Über Eva Zils: Seit 2004 berät Eva Zils Unternehmen bei der Auswahl der am besten geeigneten nationalen und internationalen Medien für die optimale internetgestützte Personalsuche. Seit vergangenem Jahr tut sie dies für den großen Jobbörsen Paketdienstleister JobTicket ( www.jobticket.de ). Im Jahre 2007 launchte sie ihren Blog www.online-recruiting.net , um das Geschehen in der Jobbörsen- und E-Recruitingwelt zu kommentieren. 2011 ging sie mit einem weiteren Nischenblog, www.socialmedia-recruiting.com , an den Start.