Google for Jobs - gut oder eine Gefahr für Bewerber?

Hilft Google mit der neuen Jobsuche den Bewerbern oder ist es ein trügerische Falle?



Mit Google for Jobs hat Google das Ziel, für Bewerber die perfekte Job Search Experience zu bieten. Laut verschiedenen Studien beginnen zwischen 35  und 73% der Jobsuchen mit einer Anfrage bei Google. Dem Bewerber werden mit Google for Jobs aber nicht nur (wie bisher bei einer normalen Suche) einfach Stellenportale angezeigt, sondern ganz konkret offene Stellen. Diese werden in einem eigenen Kästchen hervorgehoben (zwischen den Anzeigen und den ersten "organischen" Ergebnissen)




Dazu gibt es auch noch diverse Auswahl-und Filtermöglichkeiten:


 
 

Wie sieht der Ablauf einer Stellensuche bei Google Jobs aus?


Bewerber geben einfach Suchbegriffe "Gesuchte Position" + "Ort" in die normalen Suchmaske ein. Google sucht die Stellenanzeigen mithilfe eines Bot

  • Die Suche kann dann weiter präzisiert werden (z.B. Standort, Datum der Veröffentlichung etc.)
  • Klick auf die Stellenanzeige: man landet direkt auf einer Anzeige (noch nicht auf der Original-Anzeige), dann kann man auf einen Button klicken "jetzt bewerben" mit Linkedin oder Gigajob etc.
  • Dann Weiterleitung auf Stellenanzeige im JobPortal mit entsprechender einfacher Bewerbungsmöglichkeit (oder auchnicht) wie in der Stellenanzeige angegeben.
  • Bisher keine One-Click Bewerbung

Bewertung des Jobportals Google for Jobs aus Bewerbersicht durch das ICR

Als Co-Initiator von Deutschlands Beste Jobportale analysiert das ICR jedes Jahr die Güte der Jobportale in Deutschland.
Dies beruht auf den Kriterien Nutzung, Kundenzufriedenheit (Bewerber und Arbeitgeber) sowie der Weiterempfehlungsrate (die Details können Sie hier einsehen)

Diese o.a. Messlatten können bei Google for Jobs noch nicht angelegt werden. Dafür ist es jetzt noch zu früh. Gleichwohl können wir einen Blick (zumindest ausschnittsweise) auf einige Kriterien werfen:


1. Anzahl der Jobs im Vergleich zu anderen Jobportalen
2. Güte der Stellenanzeigen (z.B. Doppel- oder Dreifachnennungen)

Dann wollen wir mal

Wie ist die Anzahl der Stellenangebote bei Google for Jobs im Vergleich zu anderen Jobportalen?

Erster Versuch. Wir nehmen mal einen häufig gesuchten Job "Java Developer" in verschiedenen Städten und versuchen, die Anzahl der gefundenen Stellenangebote zu vergleichen:

Anzahl Stellenangebote
Java Developer Jobs in verschiedenen Städten
Google for JobsStepstoneKimetaIndeed
Java Developer Jobs Kölnmind 103231796274
Java Developer Jobs Hamburgmind 1031961186555
Java Developer Jobs Münchenmind 1032321735728
Java Developer Jobs Berlinmind 10316414991013

Das läuft leider schief. Im Gegensatz zu den anderen Jobportalen im Vergleich, die alle die Anzahl der verfügbaren Stellenangebote transparent angeben, werden bei der Google Jobsuche nur 3 Stellenangebote angezeigt und dann findet sich eine Angabe "mind. 100 weitere Stellenangebote". Verbesserungsvorschlag an Google: mehr Transparenz für eine Vergleichbarkeit herstellen auch um den Anspruch, daß Jobsuchende jetzt viel mehr Jobs finden können, überprüfbar zu machen. Wie man in den Zahlen sehen kann, ist die Latte von Kimeta und Indeed recht hoch gelegt worden.

Zweiter Versuch. Wir nehmen eine selteneren und für mich persönlich auch interessanteren Job: "Active Sourcing" und grenzen die Umkreissuche jeweils auf 10 km ein. Auch wird die Suche "scharf", d.h. "Active Sourcing" mit jewiligem Ort, ausgeführt, damit möglichst wenig falsch positive Ergebnisse erscheinen.

Anzahl Stellenangebote
Google for JobsStepstoneKimetaIndeed
Active Sourcing Jobs Köln23485434
Active Sourcing Jobs Hamburg34196852
Active Sourcing Jobs München5232192142
Active Sourcing Jobs Berlin4037156163

anders dargestellt:

Anzahl Stellenangebote "Active Sourcing" im Vergleich


Aus der Grafik wird schnell klar, daß Google for Jobs hinsichtlich der Menge der Stellenangebote allenfalls mit StepStone mithalten kann den Vergleich zu den anderen Jobsuchmaschinen Kimeta und Indeed aber in jeder der betrachteten Städte deutlich verliert.
Besonders eklatant ist der Vergleich in München und Berlin, wo die Google Jobsuche teilweise nur 25% der Jobs bereitsstellt, die von den beiden Konkurrenten im Jobbörsenmarkt angeboten werden können. 

In diesen beiden Städten wäre es quasi fahrlässig von einem Jobsuchenden nach einem Job im Active Sourcing bei Google for Jobs zu suchen!

Wie sieht es bei der Qualität der Stellenangebote bei der Google Jobsuche aus?

Jobsuchmaschinen haben, da sie aus vielen verschiedenen Quellen ihre Stellenangebote beziehen, ein systemimmanentes Problem: die sogenannten Dubletten. Derselbe Job von der Original-Karrierepage und verschiedenen Multiplikatoren sollte möglichst nur einmal in der Anzeige der Ergebnisse erscheinen, damit Jobsuchende nicht irritiert oder gelangweilt werden. Darüberhinaus wirkt es unprofessionell.
Technisch bei weitem nicht so banal wie es sich anhört, ist die Erwartung an die Datenmagier von Google doch sehr hoch. Wenn es jemand gut hin bekommt, dann doch Google, oder nicht?

Die Realität sieht jedoch noch anders aus:


Drei mal dasselbe Stellenangebot aus 
verschiedenen Quellen:


 
              Drei mal dasselbe Stellenangebot aus verschiedenen Quellen:

                              


Das wären dann eigentlich sogar "Tripletten". Es passiert auch bei anderen Jobsuchmaschinen gelegentlich auch noch. Aber diese Unart verfälscht auch noch das Ergebnis des obigen Vergleichs der Anzahl der Stellen zu Gunsten von Google for Jobs. Hat Google das nötig? Nach zwei Jahren testen in anderen Ländern sollte Google dies doch besser beherrschen und hätte kein "Dubletten Doping"  mehr nötig, sollte man meinen.

Fazit:

Sowohl hinsichtlich Quantität als auch Qualität ist die Google Jobsuche noch nicht der erwartete große Wurf. Eine trügerische Falle ist es aber auch nicht. Deutlich weniger Stellenangebote als andere Jobsuchmaschinen und viel zu viele Dopplungen machen das Angebot für Jobsucher noch nicht interessant. Da helfen auch andere noch kommende Gimmicks rund um die Jobsuche nichts. Im Moment sind hinsichtlich dieser beider Punkte die beiden betrachteten Jobsuchmaschinen Kimeta und Indeed für Bewerber die bessere Wahl.

Weiterführende Infos zu Google for Jobs:


Eine erste Analyse, wie gut Google for Jobs ist, finden Sie hier

Welche Bedeutung die Google Jobsuche für Bewerber hat, und warum sie vorsichtig sein sollten, steht hier

Welche Bedeutung G4J für die Wettbewerber hat, finden diese hier.

Worauf Arbeitgeber achten sollten und wie sie dabei sein können, steht hier.